Von der Vision zur Realität: Die Entstehungsgeschichte von Optocycle
Die Bauindustrie ist für den größten Materialstrom weltweit verantwortlich – und gleichzeitig eine der Branchen mit dem größten ungenutzten Potenzial für echte Kreislaufwirtschaft. Genau hier setzt Optocycle an. Das 2022 in Tübingen gegründete Startup verfolgt eine klare Vision: Eine Welt, in der jeder Bauschutt neuer Baustoff ist.
Die Idee zu Optocycle entstand aus einem zunächst ganz anderen Anwendungsfall. Die beiden Gründer Max-Frederick Gerken und Lars Wolff arbeiteten ursprünglich an KI-gestützter Bilderkennung im Handel. Der entscheidende Wendepunkt kam durch einen engen Kontakt zur Recyclingbranche: Ein Unternehmerfreund machte die Gründer auf ein zentrales Problem aufmerksam – die fehlende Transparenz bei mineralischen Bauabfällen. Materialzusammensetzungen wurden bislang überwiegend per Sichtprüfung geschätzt: langsam, subjektiv und fehleranfällig.
Für Gerken und Wolff war schnell klar: Ihre Technologie kann hier einen deutlich größeren Hebel entfalten als im ursprünglichen Anwendungsfeld. Optocycle war geboren.
Die Gründer: Unternehmerischer Antrieb trifft technologische Tiefe
Max-Frederick Gerken
CEO & Co-Founder
Max-Frederick Gerken ist der strategische Kopf von Optocycle. Mit einem betriebswirtschaftlichen Hintergrund (Universität Tübingen) verantwortet er Geschäftsentwicklung, Marktstrategie und Vision. Sein Antrieb: die Bauwirtschaft strukturell nachhaltiger und datengetriebener zu machen. Für seine Arbeit an KI-basierten, nachhaltigen Geschäftsmodellen wurde er 2024 in die Forbes „30 under 30“ DACH Liste aufgenommen.
Lars Wolff
CTO & Co-Founder
Als technischer Leiter ist Lars Wolff das Mastermind hinter der Optocycle-Technologie. Er verantwortet die gesamte Produktentwicklung – von der optischen Sensorik über Machine-Learning-Modelle bis hin zur Softwareplattform. Wolff bringt Erfahrung aus einem US-Tech-Startup sowie aus der Elektrotechnik mit und lernte Gerken während seines Informatikstudiums in Tübingen kennen.
Der Durchbruch: Pilotanlagen und erste industrielle Anwendungen
Ein zentraler Meilenstein war die Zusammenarbeit mit der Heinrich Feess GmbH & Co. KG, einem der innovativsten Bauschuttrecycler Deutschlands. Dort installierte Optocycle seine erste Pilotanlage und testete die Technologie erstmals unter realen Industriebedingungen. Vom LKW über die Kippstelle bis hin zum Förderband wurden Materialströme erstmals lückenlos erfasst und analysiert. Der Erfolg dieser Pilotanlage legte den Grundstein für die Skalierung: Innerhalb kurzer Zeit folgten über zehn Pilotprojekte in ganz Deutschland, mit Kunden wie Heidelberg Materials, ALBA, CEMEX oder OTTO DÖRNER. Heute betreut Optocycle über 30 Kunden in Deutschland, Spanien und Frankreich
Technologischer Kern: KI, multispektrale Sensorik und Edge Computing
Optocycle kombiniert multispektrale Kameras, künstliche Intelligenz und Edge Computing, um mineralische Bauabfälle in Echtzeit zu analysieren. Die eigens entwickelte KI erkennt Materialarten wie Beton, Ziegel oder Gips, identifiziert Störstoffe, bestimmt Korngrößen und liefert objektive Mengen- und Qualitätsdaten – direkt am Prozesspunkt.
Das Ergebnis ist eine „Single Source of Truth“ für den Stoffstrom: subjektive Schätzungen werden durch belastbare Daten ersetzt. Das schafft Transparenz, senkt Kosten, reduziert Konflikte und ermöglicht hochwertiges Recycling statt Downcycling.
Meilensteine & Erfolge
Markt- und serienreifes Produkt, 35 installierte Systeme, 18 Mitarbeitende
Über 10 Pilotprojekte,
6 Auszeichnungen gewonnen und insgesamt 9 Mitarbeitende
Erste Pilotprojekte, Förderung durch das DBU Green Start-up Programm
Gründung in Tübingen
Fazit: Optocycle als Wegbereiter der zirkulären Bauwirtschaft
Optocycle zeigt, wie Deep Tech, Unternehmergeist und Nachhaltigkeit zusammenwirken können. Aus einer konkreten Branchenherausforderung ist innerhalb weniger Jahre eine skalierbare Schlüsseltechnologie entstanden, die das Potenzial hat, die Bau- und Recyclingwirtschaft grundlegend zu verändern.
Mit einem klaren Fokus auf Daten, Transparenz und Kreislaufwirtschaft arbeitet Optocycle daran, aus Abfall wieder Wertstoff zu machen – und die Vision Realität werden zu lassen, dass jeder Bauschutt neuer Baustoff ist.